| | | | |  | Newsgroup - de.rec.outdoors | | | Diese Inhalte werden aus dem Usenet dargestellt und gehören nicht zu alpinisten.info Es wird keine Haftung für fremde Inhalte übernommen (siehe Impressum) | | | Zurück zur Übersicht |  | Hochstubaier Weg - Impressionen eines Erstkontaktes mit Alpen und AV Huetten | | Bergsteiger beim Bergsteigen | 23.08.06 15:33 Uhr |
|  | Auf diese Nachricht antworten!  | Hallo, da der Inhalt meines Sparschweins dieses Jahr nicht fuer mein favourisiertes Reiseziel Island reichte hat es mich dieses Jahr mit meinem Vater nach AT verschlagen. Genau genommen in's Stubaital um den "Hochstubaier Weg" zu erwandern. Hoffe mal das nicht gleich jemand anfaengt zu schreien sowas gehoere nach .alpinismus. Da sich legales zelten in Alpen bekanntlich nicht ganz so einfach machen laest haben wir uns dann etwas angepasst und uns dem DAV angeschlossen. Reduzierte u.a. natuerlich auch das Gewicht im Rucksack ein wenig. Um ausufernde Kosten zu unterbinden haben wir uns als Teil Selbstversorger probiert. Das sah dann so aus das wir Milchpulver, Muesli, Tee und Kocher mitgebracht haben und uns dann zum Fruehstueck einen netten Platz draussen gesucht haben. Verzoegerte das Fruehstueck bei schlechtem Wetter ab und an allerdings ein wenig in den Mittag hinein. Lies sich mit den tollen Fitness Riegeln von den Aldi Bruedern aber gut abfangen.
Nun gut ein paar Fakten die mir Sponntan zu der Tour einfallen:
Freundlichstes Huettenpersonal: Neue Regensburger Huette, die waren einfach alle total nett obwohl die Huette aus allen Naehten platzte. Soll aber demnaechst erweitert und renoviert werden.
Bestes Matratzenlager: Sulzenauhuette, sehr schoen gemacht und ertragbare Matratzen gehabt
Kulinarischer Hoehepunkt: Bremer Huette, die Karte hat dort in direkter Naehe zur italienischen Grenze durchaus etwas italienisches mit bekommen. Die Gerichte dort waren durchweg das Beste was auf der ganzen Runde zu bekommen war.
Kulinarischer Tiefpunkt: Starkenburger Huette, Spaghetti als Bergsteigeressen und alles irgendwie fad und nur noch lauwarm. Doof.
Kostenlose, warme, Duschen: Franz-Senn Huette, Innsbrucker Huette Auf der Dresdner Huette mit 5min fuer 1EUR auch noch bezahlbar. Negativer Hoehepunkt: Bremer Huette - 2x2EUR fuer 3min Warmwasser. Grundsaetzlich aber nicht problematisch - richtig Bergsteiger duschen eh nicht um den ganz eigenen Duft zu erhalten.
Etwas ungewohnt war es am Anfang das Selbstversorger in den Gaststuben toleriert werden. Irgendwie sind die angeblich vorhandenen Selbsversorgeraueme entweder aus der Mode gekommen oder einfach nur im Stubaital ausgerottet worden. Fuer jemanden der bisher als kompletter Selbstversorger mit Zelt und Schlafsack unterwegs war ist es schon irgendwie etwas ungewohnt ploetzlich in Huetten zu sitzen und solch einen Luxus wie einen Trockenraum nutzen zu koennen. Es braucht ausserdem eine Weile bis man sich an die Blicke von Turnschuh tragenden Tagesgaeste gewoehnt hat die einen durchaus seltsam anstarren wenn man leicht schlammig und pitsche patsche Nass in der Tuer steht.
Das schlafen im Matratzenlager gestaltete sich in der Praxis erstaunlich unkompliziert. Wobei die von Jan gestifteten Moldex Ohrstoepsel einfach genial sind. Ohne koennte das mit dem ruhigen Schlaf durchaus kompliziert werden.
Bei all den positiven Seiten bin ich aber immer noch nicht so richtig warm geworden mit dem AV Huetten wandern. Irgendwie habe ich die ganze Zeit das Gefuehl nicht so richtig das tuen und lassen zu koennen worauf ich Lust habe. Ausserdem verbringt man doch recht viel Zeit in der Huette da man schonmal nicht selber kochen muss und kein Zelt zum auf und Abbau hat. Dann stehen viele noch gegen 6Uhr auf so das wir teilweise schon wieder um 7Uhr unterwegs waren. Mit Zelt kommen wir selten vor 8:30Uhr los. Ausschlafen ist eh nicht moeglich da die Lager meistens bis 8:00Uhr gerauemt sein muessen. Bezahlbar ist es entgegen meiner Erwartungen doch alles irgendwie. Zumindest als AV Mitglied. Wobei ich die Preise von 1,8EUR-2,30EUR pro Liter Teewaser immer noch etwas ueberzogen finde. Wobei man natuerlich die Energie fuer das Spuelen der Kannen und Tassen noch mit einbeziehen muss so das es sich ein wenig relativiert.
So dann mal ein wenig zum Weg. Wir sind Sonntags angereist haben in Fulpmes ubernachtet und sind dann am Montag im stroemenden Regen von der Liftstation im Tal aus zur Starkenburger Huette aufgestiegen. Nachmittags klarte es dann ein wenig auf so das wir noch den Hausberg (Burgstall) bezwingen konnten. Oben begann dann allerdings ein heftiges Gewitter durch's Nebental aufzuziehen so das wir im Schweinsgalopp wieder runter sind und dann im Regen und Hagel noch einmal nass wurden. Haette man gewusst das sich der Anstieg zur Huette locker in 3,5h bewaeltigen laest haetten wir uns die Anreise am Tag vorher geschenkt. Naja so auch nicht tragisch gewesen.
Am naechsten Tag dann rueber zur Franz-Senn Huette. Meiner Meinung nach eine der anstrengendesten Etappen. Mag daran gelegen haben das sie recht lang ist und unsere Rucksaecke noch sehr schwer waren (mit 2l Wasser ca. 18kg). Ansonsten ein tolles Stueck. Teilweise durch ein paar Flocken Neuschnee der vergangenen nach. Ansonsten viele, viele Steile Spitzkehren rauf und runter. Wer fit ist und leichtes Gepaeck hat kann auch noch das Stueck zur Neuen Regensburger Huette anschliessen. Wir haben wie die meisten anderen darauf aber verzichtet.
Von der Franz-Senn Huette ging es dann ueber den Schrimmennieder runter zur Neuen Regensburger Huette. Oben hat es ganz schoen gezogen und wir haben uns erstmal mit Muetze und Handschuhen ausgestattet. Auf dem Weg nach Oben kam uns eine Familie in JW Klamotten mit Halbschuhen entgegen. Wundert mich echt wie die es da hoch gepackt haben. Um ueber den Kam zu kommen gibt es entweder eine kleine Kletterstelle oder den Weg durch die Altschneefelder und den Schutt. Wir haben die Kletterstelle genommen und ich war froh die Bergstiefel zu haben. Naja jeder wie er mag. Einen Fall von uebertriebenem Sicherungswahn hab ich aber auch noch. Dazu spaeter mehr. Eine Oma (73), Tante (geschaetzt 50-60) mit drei Kids (13-15) allesammt fit haben dort oben noch schnell das Basslerjoch als Gipfel mitgenommen und sind dann runter dem restlichen Tross hinterher. Ja die Strecke hat etwas von einer Wanderautobahn gehabt. Unten haben wir dann noch den Versuch 3000er gestartet und sind wie fast alle anderen gescheitert. Es ging dabei um die Besteigung der Knoten/Kreuzspitz, Hausberg der Neuen Regensburger Huette. Wir sind bis 2780Hm hoch an den Wegweiser mit der Abzweigung zur Plattenspitze gelaufen und haben dann den Weg nach unten angetreten. Da lag einfach noch ziemlich viel Schnee und auf der ersten Wandertour in den Bergen wollten wir uns das nicht Abenteuer nicht geben. Ansonsten war meine Kondition auch nicht so der Bringer auf der Hoehe. Geschaft haben es am Ende nur Oma und Tante mit den Kids. Alle anderen haben frueher oder spaeter auf dem Weg zum Gipfel aufgegeben. Vor allem die Oma und Tante haben eine Kondition gehabt das ist unglaublich. Die haben auf der Strecke eigentlich alle Gipfel mitgenommen die zu haben waren.
Von der neuen Regensburger Huette ging es dann rueber in's Skiresort Dresdner Huette. Die haben entgegen anderslautender Angaben im Sommer auf Zimmer-Matratzen-Lager. Untescheiden sich von den Regulaeren Zimmer nur durch die Decken und Kissen. Ist halt einfach eine grosse Huette mitten im Ski Gebiet direkt am Lift. Im Sommer sind aber gluecklicherweise ab dem Nachmittag fast nur Wanderer da und uebermaessig voll war es auch nicht. Der letzte Anstieg geht aber nochmal richtig in die Beine. Damit hat eigentlich niemand mehr so richtig gerechnet nachdem es vorher schon ein Stueck ueber die breite Schotterpiste ging. Interessant ist der erste Aufstieg ueber den Grarvaggruabennieder. Hier gehen einige Meter Drahtseil lose ueber einen Schotterhang mit Schnee (Neuschnee der letzten Tage). Danach kommt eine Leiter und noch ein paar Meter versicherte enge Serpentinen mit ein wenig Turnerei. Meiner Meinung nach sind die gefaehrlichen stellen weiter oben wo es windet und keine Seilsicherung mehr vorhanden ist und es auf dem Schlamm und Schnee gut rutschig ist ein. Ein paar Spezialisten haben aber erst einmal sich und ihre Freunde in Klettersteigsetz eingeruestet. Macht durchaus Sinn, zumindest beim Helm. Der Rest waere auch ohne die Seile und Leiter gehbar und ist auch nicht schwieriger als der Rest der Runde. Ich fand es dann nur sehr stoerend wenn jemand mit schwerem Rucksack zum ersten mal in Sitzgurt gewandet mit Y-Sicherungsseil, Fahrradhelm und Fahrradhandschuhen vor mir her kriecht und ewig braucht um den einen Karabiner den er zum sichern nutzt um zu haengen. Vor allem weil es irgendwie an der Stelle IMHO eh nicht noetig ist.
Von der Dresdner Huette ging es dann weiter zur Sulzenauhuette. Sehr toll gelegene Huette allerdings ist der Weg ueber die Troegler bei Wind und Regen nicht zu unterschaetzen. In meinen Augen die anstrengendeste und schwierigste Etappe der ganzen Tour. Bei der Turnerei im Uebergang vom Gr. zum Kl. Troegler war mir nicht immer so ganz wohl. Unten klarte es dann auf und ich hatte noch die Moeglichkeit den ganzen Nachmittag zum fotografieren zu nutzen. Spaetestens hier sind dann viele bekannte Gesichter der letzten Tage entschwunden. Die meisten Planmaessig und einige aus Angst vor angesagtem schlechten Wetter. Wir haben uns fuer einen langsameren Gang entschieden da schon abzusehen war das wir mehr Zeit eingeplant haben als noetig. Irgendwo habe ich was von 7-8 Tagen fuer die Wanderung und 1-2 Ruhetagen gelesen. Voellig ueberzogen.
Am naechsten Morgen dann ganz entspannt rueber ueber die Mairspitz zur Nuernbergerhuette. Eigentlich wollten wir schon weiter zur Bremer Huette. Da aber eh zuviel Zeit uebrig war und das Wetter drohte umzuschlagen haben wir uns dazu entschieden mit einer sympatischen Familie die auch auf der Runde unterwegs war auf der Nuernberger Huette zu bleiben. Ein altes aber interessantes Bollwerk in der Ecke. Sieht sehr wuchtig aus ist aber ganz schoen gemocht. Mit 2,30EUR pro Liter aber das teuerste Teewasser. Sind dann am Nachmittag noch hoch in Richtung der Feuersteine gelaufen. Das Wetter ist dann nicht umgeschlagen obwohl es den ganzen Tag brodelte.
Von der Nuernberger Huette ging es dann zum kulinarischen Hoehepunkt der Bremer Huette. Die Huette wurde 2005 erweitertet und renoviert. Unsere Lagerplaetze waren im Neubau und auch sehr schoen gemacht - nur ein Manko hatte es: Die Matratzen waren offensichtlich schon was aelter und furchtbar unbequem und der Platz vor den Lagerplaetzen ist sehr, sehr begrenzt. Wir waren mit 7 Leuten auf 10 Lagern so das es grad noch ging. Mit drei Personen mehr waere es schon arg ungemuetlich geworden. Am Nachmittag kurz nach unserer Ankuft schlug dann wie angekuendigt das Wetter um es begann heftigst zu regnen. Gegen Abend wurde es aber wieder klar und wir haben noch einen kleinen Abendspaziergang zum Kamin unternommen. Das ist eine Kletterstelle auf dem Weg zum Lauterer See. Die Ueberlegung war den Weg ueber den See vielleicht am Morgen zu nehmen. Allerdings ist es immer ein etwas heikles Unterfangen ca. 30m steil runter mit Rucksack auf nassen Mettaltritten ohne Sicherung zu klettern. Bei Trockenheit und leichtem Gepaeck sollte das aber auch ungesichert kein grosses Problem darstellen. Wobei ich hier natuerlich niemanden dazu verleiten will einen Klettersteig ohne geeignete Sicherung zu nutzen.
Aufgrund des Regens sind wir dann am naechsten Morgen nicht durch den Kamin geklettert und haben auf den See verzichtet. Immer mal wieder patsch nass und dann wieder trocknen sind wir locker den Weg zur Innsbrucker Huette in 6h gelaufen. Angeblich sollte dies ja der schwierigste Teil der Strecke sein was ich so nicht bestaetigen kann. Unsere Rucksaecke waren mit rund 12kg immer noch recht schwer der Weg dafuer nicht sonderlich. Es geht zwar insgesammt 1100Hm rauf und wieder runter aber das verteilt sich in kleine leichte Anstiege. Etwas makaber ist da nur die Stelle an der bei der Seilvesicherung am Anfang und Ende jeweils eine Gedenktafel haengt.
Von der Inssbrucker Huette ging es dann am am naechsten Tag runter zurueck nach Fulpmes. Waren in 3h wieder am Auto das auf dem Parkplatz der Talstation Schlick 2000 stand. Bezahlt habe ich diesen zuegigen Abstieg mit Muskelkater im Gesaess und einer dicken Blase am Fuss. Die Schuhe waren vom Regen am Vortag noch nicht ganz trocken. Ich wollte irgendwann mal Gamaschen gekauft haben. Diesmal waeren sie wenigstens einmal nuetzlich gewesen. Naja jetzt werd ich wohl wieder keine kaufen und mich irgendwann wieder drueber aergern keine zu besitzen. ;)
Soweit meine ersten Impressionen zu der Runde.
Cheers, Sven
| |  |
| | 399 von 7.186.367 |  |  |  |  | Jede Verbreitung von Inhalten ist eine Urheberrechtsverletzung! |  |  |
|
|  | | |