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Dom - Kinder auf dem Festigrat

Bergsteiger beim Bergsteigen06.09.05 18:50 Uhr
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Vorgeschichte 2004:
Letztes Jahr kippte ich den Dom im letzten Moment, und wir hatten eine
super Tour am Alphubel (Message-ID:
<413de78e$0$26173$9b622d9e@news.freenet.de>).

Vorgeschichte 2005:
Schon wieder steht der Dom auf dem Programm. Mein Saisonverlauf war aber
bisher eher duerftig. Piz Guiv mit Ski, Grotto und Cirque Peak (beide <
3000m in Kanada), Arpelistock, Lochberg, Chruezlistock, alles ziemlich
schoene Touren, aber mitnichten eine angemessene Vorbereitung auf den
Dom.

Akklimatisation:
Wettergott und Arbeitgeber haben ein Einsehen.
Bordierhuette - Gross Bigerhorn (3626m, grosse Geroellbloecke tief
eingeschneit, allein auf dem Berg :-) - Bordierhuette (diesmal der
einzige Gast, und ich finde eine kostenlose Trinkwasserquelle :-) -
Europaweg - Europahuette (waere nicht noetig gewesen, aber hier kaufe
ich das Gipfel-Sandwich) - Domhuettenweg (super klasse - natuerlich kann
man hier ein Klettersteigset verwenden, aber wer es wirklich braucht,
sollte von diesem Gipfel und anderen IIer-Stellen Abstand nehmen) -
Domhuette (hier kostet das Trinkwasser gar nix, und die Huettenwartin
ist unnachahmlich herzlich :-) - Hohgwaechte (3740m, beste Sicht auf
alle relevanten Domzustiege. Wieder bin ich voellig allein :-) -
Domhuette.
Mit Seilpartner(n) gaebe es natuerlich sinnvollere (= hoehere)
Akklimatisations-Moeglichkeiten.

Das Team:
Verabredungsgemaess treffen Papa AK (4X), Sohnemann AK (16) und Tochter
AK (13) auf der Huette ein :-))))
Dass ich zu bloed war, eine einzige Handynummer fehlerfrei auf die
Rueckseite meiner 1:25000er Karte 'Randa' zu uebertragen, ist nun zum
Glueck Geschichte.

Festigletscher:
Den Weg durch die Geroellhalde hatte ich oft genug geuebt. Dennoch
erwische ich es diesmal nicht optimal, und wir seilen uns unnoetig tief
unten an.
Zwischen dem unten nahezu aperen Gletscher und dem linksseitigen Geroell
geht es staendig hin und her.

Festijoch:
Als wir kurz vor dem Joch eine andere Seilschaft rechts einholen,
schallt uns ein unfreundliches 'hinten anstellen' entgegen. Wir wollen
aber sowieso erst mal etwas trinken und essen.
Hier muesste doch irgendwo ein Fixseil sein. Ich sehe es aber nicht.
Jetzt muss ich wohl alle Beteiligten mit der Bemerkung 'da muesste doch
irgendwo ein Fixseil sein' aus ihrem Pauschalreisefeeling herausreissen
;-) Da sagt der Sohnemann: 'Da --> ist ein Fixseil'.
Sage niemand, die Kinder waeren nur mitgelaufen.
Die Steigeisen bleiben dran (Geschmackssache bei diesen Verhaeltnissen).

Festigrat:
Ich hatte mich gegen den Festigrat ausgesprochen. Dass der Papa seine
Kinder nicht seilfrei ueber den Grat gehen lassen wuerde, war mir
voellig klar.
Die moeglichen Seilschaften waren '1 Erwachsener und 2 Kinder' und '2
Erwachsene und 2 Kinder'. Stuerzt ein Kind, kann ein Erwachsener diesen
Sturz moeglicher weise (hoffentlich, vielleicht) halten. Stuerzt ein
Erwachsener, ist das Seil tendenziell kontraproduktiv, denn weder ein
Erwachsener noch ein Kind koennen das halten. Zwei Erwachsene an diesem
Seil wuerden aus meiner Sicht das Risiko nahezu verdoppeln, denn wenn
nur einer patzt, dann 'schuess'.
So stiegen wir auf mit Papa, Tochter und Sohnemann an einem Seil, und
meine Wenigkeit separat seilfrei (selbstverstaendlich war das schon an
der Huette so abgesprochen worden).

Die Verhaeltnisse sind optimal. Trittstufen ueberall, insbesondere an
den vereisten Stellen. Zwischendurch herrliche Felsschuppen, einmal
allerdings auch Gebroesel, dass man besser im Firn umgangen haette
(meine Fehlentscheidung, die zum Glueck auch nur mich betraf). Insgesamt
eine sehr schoene Route :-)

Gipfel:
1. September 2005, fast 11:00 Uhr, endlich ist es so weit. Ich spuere
sehr deutlich meine Grenzen. Hoeher haette der diesmal nicht sein
duerfen.
Die anderen haetten mich gnadenlos abgehaengt, waeren sie nicht mit
ihrem Allergie-gepeinigten Familienmitglied (virtuelle
Tapferkeitsmedaille!) ans Seil gebunden gewesen.
Es bleibt unglaublich windstill, so ein Glueck mit dem Wetter!
Hoffentlich hat der freundliche Katalane unsere Kamera richtig bedient
:-)

Normalweg:
Autobahn. Natuerlich wieder alle am Seil. Immer wieder erstaunlich, wie
schnell man die muehsam gewonnen Hoehenmeter vernichten kann.

Festijoch:
Jetzt war wieder Kletterei angesagt.
Wir waren alle an einem Seil. Aber man konnte es nirgendwo zuverlaessig
am Berg fest machen.
Die Kinder hatten das sehr gut verstanden. Es gab keinen Fehltritt.
Steine prasselten herab. Schnell weg! Besser waere es gewesen, vom
Fixseilende wieder schraeg auszusteigen.

Festigletscher:
Schnee nun voellig durchweicht. Grips und Spruenge angesagt.

Huette:
Der Huettenwart - ein alter Knochen - war sichtlich erfreut, dass wir
heile zurueck waren. Er wusste genau, wer noch 'fehlte'.
Die seilfreien Katalanen waren durch. Ich konnte ihm berichten, dass
auch die Sachsen-Bodensee-Seilschaft und die drei Polen den Fuss des
Festigletschers erreicht hatten. Ehrliche Erleichterung war zu spueren.
Ein anderer Alpinist war zeitgleich am Taeschhorn in eine Spalte
gestuerzt - beim Abstieg exakt in der Aufstiegsspur. Heli, bedroeppelter
Bergfuehrer, doppelt bredroeppelter Alpinist :-( Es ueberwog aber die
Freude ums Ueberleben. Und die Entscheidung des Bergfuehrers, seinen in
der Spalte verklemmten Gast nicht mit Gewalt herauszuhebeln
(Verletzungsrisiko), sondern schweren Herzens das Dreibein anzufordern
(Flugwetter war ja nun wirklich), wurde auch von keinem Beteiligten in
Frage gestellt.
Gespraechsstoff gab es jedenfalls reichlich an unserem letzten Abend in
der gemuetlichen Domhuette.

Randa:
Eine Mutter ist sehr gluecklich als ich ihr ihre 3 Helden nahezu (Blasen
kann man bei so einer Tour wohl akzeptieren) unbeschadet zurueckbringe
;-) Auch wenn sie den Unterschied zwischen Festigrat und
Mettelhorn-Normalweg wohl kaum erfassen kann ...

Wolke 7:
Wie kommt man da eigentlich wieder heile runter? Ist da schon mal jemand
abgestuerzt? Topos jederzeit willkommen ;-)
--

 
 
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