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Nochmal zum Unglück am Mont Blanc

Bergsteiger beim Bergsteigen01.09.04 12:43 Uhr
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Was in Deutschland in der Presse stand, daraus konnte man über den Hergang
der Tour ja wenig lernen. Nachdem ich nun über den Diskussionsbeitrag von
Antonio Giani in Summitpost zumindest weiß, dass die lokale (Aosta) Presse
von einem Unglück am Innominatagrat berichtete, kann ich mir den Hergang der
Tour nun so vorstellen:

Rahel Liu und Edward Allen trafen sich am Sonntag in Courmayeur. An diesem
Tag sind sie zum (bewirtschafteten) Rifugio Monzino (2590m) aufgestiegen und
haben dort übernachtet. Nach einem frühen Aufbruch am Montag Morgen haben
sie das auf 3850 m Höhe gelegene Lampugnani-Biwak (auch Biwak Eccles
genannt) schon früh am Vormittag erreicht. Dort zu übernachten war nicht
vorgesehen oder falls doch wurde beschlossen, den Mittag und Nachmittag zu
nutzen und den Gipfel am Abend zu erreichen. Die beiden haben vielleicht
damit gerechnet, die verbleibende 1000 m Höhe bis zum Gipfel auch so schnell
zu bewältigen wie die 1250m von Monzino bis Lampugnani.. Doch oberhalb des
Lampugnanibiwaks verlangsamt sich das Tempo des Höherkommens (nach meiner
Erfahrung) deutlich. Die Schwierigkeiten steigen, die Höhe, man wird müde.
Vom schneller als erwartet sich ändernden Wetter war am Montag Vormittag
offenbar nichts zusehen. Die Innominataführe besteht aus Gratrippen in einer
Südwand, man hat keinen Ausblick zur Wetterseite W und NW. Als der
Wettersturz dann da war, am Montag Nachmittag, hatten sie den
klettertechnisch schwierigen mittleren Teil hinter sich und das große
Südwandcouloir schon überschritten - etwa bei 4250m. Ein Rückzug zur
Biwakschachtel schien wegen der Lawinen zu gefährlich. (Dieser, zumindest
für Rahel im Ergebnis fatale Entschluß nicht umzukehren, dürfte zwischen den
beiden kontrovers diskutiert worden sein. Das Couloir ist an der
Traversierungstelle nur etwa 10 m breit). Bei etwa 4500/4600m endet die
Aufstiegsgratrippe (teils kompakter Fels, teils Schnee) und geht in eine
nach meiner Erinnerung nur gut 100m hohe, steile Eis/Firn-Flanke über, die
auf den oberen flachen Teil des Brouillardgrates führt.(In dieser Flanke
haben wir auch biwakiert, allerdings in einer schönen Nacht. Schneehöhlen
kann man da aber nicht graben). Vermutlich haben sie dort, am Fuße dieser
Schlussflanke, zum erstenmal biwakiert. Als sie am Dienstag über
Mobiltelefon die Rettungsmannschaft in Courmayeur alarmierten, haben die ja
offenbar empfohlen, über diese Flanke den Grat zu erreichen. Was nicht
gelang, oder nur Edward Allen . Hätte allein auch nicht geholfen, man kann
an diesem Grat zwar bequemer biwakieren, aber er ist dem Sturm stärker
ausgesetzt als die Südflanke. Um die rettende Vallothütte zu erreichen,
hätten sie im vollen NW-Sturm noch den Mont Blanc de Courmayeur, den Col
Major und den Hauptgipfel traversieren müssen.

(Wie oben gesagt, ich weiß auch noch nicht mehr als was in der Zeitung
stand, das hier ist nur das Ergebnis meiner Überlegungen). Ulrich

 
 
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