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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen23.01.05 20:48 Uhr
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Die erfreuliche Bilanz der letzten Saison wurde meist mit verbesserter
Ausbildung und gestiegenem Risikobewußtsein erklärt. Die Unfallserie vom
Wochenende stimmt mich da skeptisch, was die Lernfähigkeit von manchen
Tourengängern betrifft.Die Gefährdungslage dürfte selten so offenkundig
gewesen sein.

Luidger

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Lawinen-Serie geht weiter
Die für das Wochenende befürchtete Lawinenengefahr hat sich bewahrheitet.
Mehrere Abgänge in Tirol und Vorarlberg forderten insgesamt vier
Todesopfer.

Suchaktion eingestellt
In St. Anton am Arlberg starben zwei Kanadier und ein US-Bürger, im
Montafon verunglückte ein 31-Jähriger aus Stuttgart tödlich. Der am
Arlberg verschüttete Amerikaner konnte zunächst nicht geborgen werden, die
Suchaktion wurde am späten Sonntagnachmittag vorläufig eingestellt.

Behörden hatten vor großer Lawinengefahr gewarnt. Bei weiteren
Lawinenabgängen in Tirol und Salzburg wurden am Sonntag mehrere Personen
verletzt.
...

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Beurteilung der Lawinengefahr

In den neuschneereichen Regionen, also in der Silvretta-Samnaun, im
Arlberggebiet und Außerfern, in den Nordalpen, den nördlichen Stubaier
Alpen, den Tuxer Alpen sowie den südlichen Ötztaler Alpen muss die
Lawinengefahr heute zumindest oberhalb etwa 1800m als groß beurteilt
werden. Spontane Lawinenabgänge werden dort aufgrund der allgemein
nachlassenden Niederschläge deutlich seltener als gestern auftreten. Aus
sehr steilen, windabgewandten Einzugsgebieten, also typischerweise aus den
Expositionen N über O bis S können dort jedoch aufgrund der windbedingten
Zusatzbelastung vereinzelt noch spontane Lawinen mittlerer Größe abgehen.
Als sehr heikel muss die Situation für den Wintersportler betrachtet
werden. Die Kombination aus Schneefall, starkem Wind und inzwischen tiefen
Temperaturen haben spröde Triebschneeansammlungen in allen Hangrichtungen
entstehen lassen. Unerfahrene Personen sollten sich deshalb in den
neuschneereicheren Regionen auf mäßig steiles Gelände beschränken bzw. auf
den gesicherten Pisten bleiben. Im südlichen Osttirol günstigere
Verhältnisse.

--
Luidger Röckrath
[externer Link] externer Link. Öffnet in neuem Fenster - Schneeschuhtouren in den Ostalpen

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 10:01 Uhr
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Hallo!
Interessant dazu der vorletzte Satz im Lagebericht:

> entstehen lassen. Unerfahrene Personen sollten sich deshalb in den
===============
> neuschneereicheren Regionen auf mäßig steiles Gelände beschränken bzw. auf
> den gesicherten Pisten bleiben. Im südlichen Osttirol günstigere
> Verhältnisse.

Berg- und Schiführerverbände haben sich ja in der letzten Zeit massiv gegen
die alte Formulierung, welche eine Beschränkung auf sicheres Gelände für
alle Personen empfohlen hatte, gewehrt, das sie eine Beschränkung ihres
Handlungsraumes bei solchen Bedingungen befürchteten, so dass die
Lawinenwarndienste die neue Formulierung einführten. Dürfte im Prozess, den
der Schilehrer nun zu erwarten hat, eine erhebliche Rolle spielen.

mfg Werner

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen25.01.05 14:15 Uhr
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Hallo Benedikt!

>Zuerst ein paar Bemerkungen:
>1. Ich bin immer wieder ersch ttert, wenn Menschen (nicht nur in den
>Bergen) zu Schaden kommen. Da bricht unermesslich viel Leid ber die
>Betroffenen, resp. den Hinterbleibenden, hinein.

Da bin ich völlig deiner Meinung!

>2. Ich war weder an Ort & Stelle, noch kenne ich die Ungl ckstellen
>genauer (resp. ich kenne sie berhaupt nicht)

Ich war auch nicht an Ort und Stelle, die Variantenabfahre dort ist aber
bekannt ansonsten braucht man nur auf die frei verfügbaren online-Karten zu
sehen, um sich ein recht gutes Bild vom Gelände an der Unglücksstelle machen
zu können.

>3. Ich vermeide es wenn m glich bei Ungl cken eine moralische
>und/oder rechtliche Wertung abzugeben. Ich hatte in der Vergangenheit
>zu oft einfach Gl ck. Ohne Gl ck in entscheidenden Momenten m sstest
>Du das jetzt nicht lesen!

Auch ich hatte schon Glück bei Schneebrettauslösungen. Seit ich aber die
Methoden des Risikomanagementes kenne und anwende, habe ich nie mehr nur das
geringste Problem mit einem Schneebrett gehabt.
Ich bin mir völlig im klaren, dass auch diese Methoden keine absolote
Sicherheit garnatieren können. Dennoch bin ich mir sicher, heute viel
sicherer als früher unterwegs zu sein.

>Hier zwei allgemeine Bemerkungen:

>1. Die Berufsf hrer sind nicht zu beneiden. Als Amateur
>(ehrenamtlicher J&S und SAC-Tourenleiter) kommt allenfalls ein
>Teilnehmer oder eine Teilnehmerin beim n chsten mal nicht mehr mit,
>falls ich in der Prezeption der betreffenden Person zu defensiv bin

>Bei einem Profi ist das anders. Der lebt je schliesslich davon. Und vor
>allem lebt er davon, dass seine G ste unter Umst nden was mit F hrer
>machen k nnen, was sie ohne nicht k nnen. Dies ist ein extrem
>brisantes Spannungsfeld. Vor allem im Winter. Wie erkl rst Du einem
>Gast, dass Du einen Hang nicht fahren willst, in dem schon x Spuren
>ind? Und am Abend noch viel mehr Spuren und der Hang ist immer noch
>da.

Ich bin mir dieses Spannungsfeldes genau bewusst und auch hier großteils
deiner Meinung.
Ich bin selbst jahrelang als Jugendführer des ÖAV unterwegs gewesen und mein
bester Bergkamerad, mit dem ich die meisten schweren Touren unternommen
habe, arbeitet seit Jahren als Bergführer. Die Thematik steht damit für uns
auf dem regelmäßigen Diskussionsplan.
Und dennoch glaube ich, dass gerade die Methoden des Risikomanagementes hier
verpflichtend zum Einsatz kommen müssten. Gerade weil sie einem Führer ein
Werkzeug sein können, den Gästen eine Entscheidung gegen dei Durchführung
einer Tour oder Abfahrt verständlich zu machen.
Auch ich erlebe regelmäßig, dass nicht ein vorsichtiger Bergführer, sondern
einer, der seinen Gästen bei schlechtesten Bedingungen auch noch tolle
Touren bietet als der "bessere" Bergführer gilt. Führer, die beusst auf
risikoreiche Touren verzichten bleiben dabei meist auf der Strecke. 9 von 10
Lawinenunglücke der letzten Zeit, bei denen geführte Gruppen betroffen
waren, wären aber bei konsequenter Einhaltung einer der
Risikomanagementmethoden vermeidbar gewesen. Ein Führer, der bewusst ein
höheres Risiko eingeht und auf solche Methoden zur Kontrolle der eigenen
Einschätzung verzichtet, sollte sich nicht mehr darauf hinausreden können,
das Riskiko, die Lawinengefahr sei nicht erkennbar gewesen.

>2. Zumindest hier in der Schweiz heisst "gross" gem ss allen
>Unterlagen und Kursen welche mir bekannt sind " berall weniger Steil
>als 30 Grad" oder "bei "Gross" kann nicht mehr abgefahren werden, weil
>alle H nge ber die man bei so viel Schnee noch abfahren k nnte zu
>steil sind".

>Und dies ist die gemeinsame Meinung vom "Lawinenpapst" Werner Munter
>wie auch von den "Schismatikern" welche sich zum Teil von Munter
>emanzipiert haben und mehr an Hofmann orientieren. Ich war am 7.-9.
>Januar an einem CC-Lawinenkurs mit Andreas Brunner als Referenten und
>ein Kollege von mir war gleichzeitig an einem FK Skitouren mit Werner
>Munter als Referenten. Und gem ss beiden Schulen hat man in freiem
>Gel nde (insbesondere auch im Variantengel nde) bei "gross" nichts
>verloren, wenn der Hang irgendwo steiler als 30 Grad ist.

Und genau hier liegt der Hund begraben. Es ist klar, warum die
Reduktionsformel etc. bei Stufe 4 nicht mehr angewandt werden darf. Die
Variantenabfahrt, die von den beiden Gruppen in St. Anton befahren worden
ist, führt durch eine ca. 35 Grad steile Rinne, deren seiliche Flanken über
40 Grad steil sind. Bei Stufe 4 ist aber zur Beurteilung der Hangneigung
nicht nur der unmittelbare Bereich der Abfahrtsspur, sondern auch deren
weiter Umgebung zu beurteilen. Und hier ist offensichtlich ein
verhängnisvoller Fehler gemacht worden, frei nach dem Motto: die Abfahrt
sind wir schon so oft gefahren und es ist nie etwas passiert.

mfg Werner

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen25.01.05 20:21 Uhr
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Hallo Werner,

Werner Klotz wrote:

> ...
> Auch ich hatte schon Glück bei Schneebrettauslösungen. Seit ich aber die
> Methoden des Risikomanagementes kenne und anwende, habe ich nie mehr nur das
> geringste Problem mit einem Schneebrett gehabt.
> Ich bin mir völlig im klaren, dass auch diese Methoden keine absolote
> Sicherheit garnatieren können. Dennoch bin ich mir sicher, heute viel
> sicherer als früher unterwegs zu sein.

"viel sicherer" und "sicher" sind ein, und zwar der entscheidende
Unterschied. Sicherer als "sicher" gehts nicht, aber viel sicherer als
"gefaehrlich" sehr wohl.

Ich hatte trotz konsequenter Anwendung der Reduktionsmethode (Restrisiko
0.66) eine Totalverschuettung (ueberlebt). Sonst "muesstest Du das
jetzt nicht lesen" ...

> ...
> Und dennoch glaube ich, dass gerade die Methoden des Risikomanagementes hier
> verpflichtend zum Einsatz kommen müssten. Gerade weil sie einem Führer ein
> Werkzeug sein können, den Gästen eine Entscheidung gegen dei Durchführung
> einer Tour oder Abfahrt verständlich zu machen.

Wie jemand jemand anderem etwas verstaendlich macht, soll jeder selber
entscheiden duerfen, da gibt es mehrere Moeglichkeiten. Diese Methoden
sind durchaus taugliche Werkzeuge, wie Du das beschreibst. Sie sind
bezeichnenderweise von Bergfuehrern entwickelt worden.

> Auch ich erlebe regelmäßig, dass nicht ein vorsichtiger Bergführer, sondern
> einer, der seinen Gästen bei schlechtesten Bedingungen auch noch tolle
> Touren bietet als der "bessere" Bergführer gilt. Führer, die beusst auf
> risikoreiche Touren verzichten bleiben dabei meist auf der Strecke. 9 von 10
> Lawinenunglücke der letzten Zeit, bei denen geführte Gruppen betroffen
> waren, wären aber bei konsequenter Einhaltung einer der
> Risikomanagementmethoden vermeidbar gewesen.

Kann sehr wohl sein.

> Ein Führer, der bewusst ein
> höheres Risiko eingeht und auf solche Methoden zur Kontrolle der eigenen
> Einschätzung verzichtet, sollte sich nicht mehr darauf hinausreden können,
> das Riskiko, die Lawinengefahr sei nicht erkennbar gewesen.

Kann er heute auch nicht mehr, denn sie gehoeren zum Stand der Technik

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen25.01.05 22:17 Uhr
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen26.01.05 18:49 Uhr
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Hallo zusammen!

In der ganzen Berichterstattung über das Lawinenunglück am Arlberg kommt es
mir vor als wäre mal die Rede davon gewesen dass der Schilehrer die Gruppe
privat geführt hat - also nicht in seiner Funktion als staatlich geprüfter
Schilehrer aufgetreten ist.

Auch wenn das strafrechtlich wohl keinen grossen Unterschied macht würd mich
interessieren inwieweit das jetzt geklärt worden ist. In den entsprechenden
Berichten hätte ich nichts entsprechendes dazu gelesen.

Die Lawinensitutation an sich bleibt nach wie vor ungünstig - auf den Bergen
herscht momentan extreme Kälte (am Patscherkofel heute -19° auf der
Zugspitze -24°) wodurch der Neuschnee locker und pulvrig bleibt... Ich
glaube das kann in diesen Tagen nicht oft genug gesagt werden, auch wenn
euch das sicher bekannt sein dürfte.

OT: Wie schaut's heuer eigentlich wieder mit einem de.rec.alpinsmus-Treffen
aus?

Grüsse aus dem Tiroler Unterland,
Martin

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 10:20 Uhr
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Hallo Luidger

> Die erfreuliche Bilanz der letzten Saison wurde meist mit verbesserter
> Ausbildung und gestiegenem Risikobewußtsein erklärt. Die Unfallserie vom
> Wochenende stimmt mich da skeptisch, was die Lernfähigkeit von manchen
> Tourengängern betrifft.Die Gefährdungslage dürfte selten so offenkundig
> gewesen sein.
Wenn Du Dir den Artikel ganz durchliest, dann siehst Du, dass es sich um
vier Variantenfahrer handelt, und nicht um Tourengeher.

Soweit ich mich an die Analyse der letzten Saison im Bergundsteigen
erinnere, waren auch letztes Jahr von den toedlich verunglueckten
Lawinenopfern vier oder fuenf Variantenfahrer.

Wenn wir das letztjaehrige Verhaeltnis zwischen Variantenfahrern und
Tourengaengern von 1:1 bei den Opfern nehmen, dann haben wir bei diesem
Wochenende ohne Tourengaengerunglueck den "Beweis", dass die
Tourengaenger dazugelernt haben.

Florian

PS: An alle mathematischen Rechthaber ;-): Ich weiss, dass hier an einem
Wochenende die statistsch verwertbare Datengrundlage fuer einen
Vergleich zu einer Jahres auswertung fehlt.

PPS: Dass in dem Artikel die Begriffe "Snowboarder" und "die Absperrung
negierend" (o.ä.) recht haeeufig vorkommen, mag jeder fuer sich
interpretieren....

PPPS: Leider bemerkenswert ist, dass die Kanadier ihrem Skilehrer
hinterhergefahren sind. _Der_ haette es wicklich wissen muessen.

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 15:04 Uhr
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Hallo Florian,

Florian Anwander schrieb:

> Wenn wir das letztjaehrige Verhaeltnis zwischen Variantenfahrern und
> Tourengaengern von 1:1 bei den Opfern nehmen, dann haben wir bei diesem
> Wochenende ohne Tourengaengerunglueck den "Beweis", dass die
> Tourengaenger dazugelernt haben.

Das glaube ich eher nicht. Die vielen Unfälle im Variantenbereich sind
m.E. darauf zurückzuführen, dass innerhalb der Neuschneeperiode eine
neue, labile (Graupel-?) Schicht entstand, welche die Stabilisierung
durch die vorhergegangenen Befahrungen bedeutungslos machte.
Meist passiert ja deshalb nichts in diesem Bereich, da die Schneedecke
dort meist wesentlich stabiler ist - obwohl sich viele Variantenfahrer
dadurch ein Verhalten angewöhnen, was im selten befahrenen Bereich
absolut tödlich wäre. Und diesmal haben wir halt im Variantenbereich
dieselben Bedingungen wie in den selten befahrenen Bereichen.

Ich habe bereits am Samstag auf Tour zu meinen Lawinenkursteilnehmern
gesagt, dass dieses Wochenende mit vielen Variantenunfällen zu rechnen
ist. Dass diese Einschätzung dermaßen zutraf, ist schon etwas markaber.

Manchmal komme ich mir schon blöd vor, wenn ich Variantenfahrern die
SnowCard zeige. Da ernte ich manchmal Blicke, als ob ich einem
Porschefahrer (oder Münchner BMW-Fahrer ;-) Tempo 100 nahelegen wollte :-(

Grüße,
Martin

--
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 17:13 Uhr
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Hallo Martin

>> Wenn wir das letztjaehrige Verhaeltnis zwischen Variantenfahrern und
>> Tourengaengern von 1:1 bei den Opfern nehmen, dann haben wir bei
>> diesem Wochenende ohne Tourengaengerunglueck den "Beweis", dass die
>> Tourengaenger dazugelernt haben.
> Das glaube ich eher nicht.
Ich haette doch mein erstes PS samt Smiley doch direkt an den Absatz
dran haengen sollen.

> Die vielen Unfälle im Variantenbereich sind
> m.E. darauf zurückzuführen, dass innerhalb der Neuschneeperiode eine
> neue, labile (Graupel-?) Schicht entstand, welche die Stabilisierung
> durch die vorhergegangenen Befahrungen bedeutungslos machte.
> Meist passiert ja deshalb nichts in diesem Bereich, da die Schneedecke
> dort meist wesentlich stabiler ist -
Mal dumm gefragt: Die "Schneedecke" wird doch durch die Befahrung nicht
stabiler (zumindest wenn ich Schneedecke so begreife wie Schweizer udn
Harvey im aktuellen bergundsteigen)? Eher wird die Oberflaeche der
drunter liegende Schicht zerpfluegt, sodass es zu keiner durchgaengigen
bindungsarmen Zwischenschicht kommen kann.

Ausserdem: meinst Du dass die labile Graupelschicht so hoch war, dass
sie die Spuren komplett ausfuellen konnte? Am 16.1. waren wir am Gilfert
von Innerst aus und da waren selbst westseitig die alten Einzelspuren
immer noch gut 10 cm tief.

Florian

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 18:15 Uhr
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Hallo Florian,

Florian Anwander schrieb:
>
> Mal dumm gefragt: Die "Schneedecke" wird doch durch die Befahrung nicht
> stabiler (zumindest wenn ich Schneedecke so begreife wie Schweizer udn
> Harvey im aktuellen bergundsteigen)?

Wenn ständig gefahren wird - also auch während des Neuschneefalls -
durchaus. Aber ich habe unter Stabilität eigentlich die
Schichtverbindung zur Altschneedecke gemeint, das war also ungenau
ausgedrückt.
>
> Ausserdem: meinst Du dass die labile Graupelschicht so hoch war, dass
> sie die Spuren komplett ausfuellen konnte? Am 16.1. waren wir am Gilfert
> von Innerst aus und da waren selbst westseitig die alten Einzelspuren
> immer noch gut 10 cm tief.

Unter der Graupelschicht war eine kurz zuvor gefallene Schneeschicht,
die aufgrund des schlechten Wetters nicht befahren wurde. Im westlichen
Allgäu und in Vorarlberg bis zum Prättigau (Weststaulagen) hatte es zu
Beginn der Schneefälle wesentlich mehr geschneit als in den östlichen
Gebieten. Dadurch waren alle alten Spuren bereits verschwunden, als die
Zwischenschicht entstand.
Ob in den Hochlagen auch eine Graupelschicht die Ursache war, weiss ich
nicht. Zumindest waren wohl störanfällige Zwischenschichten innerhalb
der Neuschneeschicht vorhanden.

Grüße,
Martin
 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen25.01.05 11:13 Uhr
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Hallo Martin

> Unter der Graupelschicht war eine kurz zuvor gefallene Schneeschicht,
> die aufgrund des schlechten Wetters nicht befahren wurde. Im westlichen
> Allgäu und in Vorarlberg bis zum Prättigau (Weststaulagen) hatte es zu
> Beginn der Schneefälle wesentlich mehr geschneit als in den östlichen
> Gebieten. Dadurch waren alle alten Spuren bereits verschwunden, als die
> Zwischenschicht entstand.
Ah ja, das war hier im Muenchner Raum nicht so wahrzunehmen. Der erste
Schneefall, hat hier auch in den Bergen gerade mal fuer ein oder zwei
Zentimeter gereicht (Jostens Maueseknoecheltiefe...).

Florian

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 22:58 Uhr
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Florian Anwander wrote:
> Hallo Luidger
>
[..]
> PPS: Dass in dem Artikel die Begriffe "Snowboarder" und "die Absperrung
> negierend" (o.ä.) recht haeeufig vorkommen, mag jeder fuer sich
> interpretieren....

Dazu mag ich (als Ski- UND Snowboardfahrender Variantenfahrer) anmerken,
dass Snowboarder zwar wohl häufig betroffen sind, aber eben nicht, weil
das Board an sich irgendwie eher Lawinen lostritt:
+ Neuschnee ist mit dem Board einfach schöner. Wenns geschneit hat lass
ich die Ski im Tal (obwohl ich selbst wohl eher besser Ski als Snowboard
fahre).
+ diejenigen die mit dem Board in Tiefschneehänge fahren (ob mit Ahnung
oder ohne) würdens mit Ski genauso tun.

Zum Thema Absperrung: Wenn über einem tollen Hang, der regelmäßig
befahren wird und wo dies OFT auch gefahrlos möglich ist IMMER eine
Absperrung und ein Schild "Lawinengefahr" steht, so wird dies mancher
leider auch IMMER ignorieren, auch dann, wenn er die Befahrung lassen
sollte. Dieses Spannungsverhältniss zwischen Verkehrssicherung in
Skigebieten, (imho) durchaus erwünschtem Variantenfahren und
Eigenverantwortung wird man wohl nie zur Zufriedenheit aller lösen können.

> PPPS: Leider bemerkenswert ist, dass die Kanadier ihrem Skilehrer
> hinterhergefahren sind. _Der_ haette es wicklich wissen muessen.

Vermutlich ja, aber wer will das aus der Ferne genau beurteilen?

 
 
 
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Lawinenunfaelle am Wochenende

Bergsteiger beim Bergsteigen24.01.05 15:39 Uhr
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Hallo Luidger,

Luidger Roeckrath schrieb:

> Die erfreuliche Bilanz der letzten Saison wurde meist mit verbesserter
> Ausbildung und gestiegenem Risikobewußtsein erklärt.

Es ist natürlich immer leicht, sich den Erfolg auf die Fahnen zu
schreiben, wenn mal weniger passiert. IMO passiert aber meist dann
weniger, wenn die Schneeverhältnisse sicherer sind. Das kann man an der
Unfallstatistik der letzten 30 Jahre gut ablesen. Auch der sogenannte
"Munter-Knick" in den Unfallzahlen lässt sich IMHO auf günstigere
Verhältnisse zurückführen. Ein paar Jahre später kam dann ein
Schwimmschneewinter mit entsprechenden Unfallzahlen und da wurden auf
einmal Gründe wie "statistischer Ausreißer" etc. angeführt.

Wissenschaftlich gesehen sind solche Aussagen völlig haltlos, da wir
weder wissen, wieviele Tourengeher welche Methoden anwenden noch den
Einfluss der Begehungszahlen und der meterologischen Einflüsse bewerten
können.

Nach meinen und anderen Befragungen entscheiden die meisten Tourengeher
nach wie vor irgendwie nach Gefühl und wenden keine Strategie an - ganz
zu schweigen die Variantenfahrer. Bis neue Methoden an der Basis
ankommen, vergehen viele Jahre. Grad die erfahrenen Leute lassen sich
nur ungern erzählen, dass sie in der Vergangenheit "nicht optimal"
gehandelt haben, wenn bislang nichts passiert ist.

Viele Grüße,
Martin

--
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