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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen08.01.05 16:58 Uhr
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Ich habe kürzlich eher zufällig diesen Film gesehen und war ziemlich
positiv überrascht. Natürlich kommt er an das Buch nicht heran
(welchem Film gelingt das schon?), aber er kommt ihm erstaunlich nahe,
fand ich.

Ich nehme an, der Film wurde hier schon seinerzeit diskutiert, als er
in den deutschen Kinos war. Dann müssen wir das nicht aufwärmen. Aber
falls nicht, würde mich interessieren, was es für Meinungen dazu gibt.
(Zum Film, nicht zur Frage, ob man ein Seil durchschneiden darf oder
nicht. Die soll meiner Ansicht nach entscheiden, wer in einer solchen
Sitiation war.)

Ich gestehe, dass ich einen der üblichen modernen Bergfilme erwartet
habe: Durchtrainierte, schauspielerisch unterdurchschnittliche begabte
Bergsteiger in coolen Markenklamotten beim Erklettern eher dürftiger
Hügelchen, das ganze untermalt mit entweder schwulstiger oder
wummerder Musik usf. Ich hätte, ehrlich gesagt, nicht geglaubt, dass
ds noch anders geht, aber der Film hat mich eines besseren belehrt
(wie mir ja auch das Buch gezeigt hat, dass verlogen-sentimentaler
Trivialjournalismus a la Kracauer keineswegs das Höchste ist, was man
heute in der Bergliteratur noch erwarten kann.)

Wobei die schauspielerische Leistung der beiden Bergsteiger natürlich
auch eher nicht der Rede wert war, aber darauf kam es ja auch nur an
wenigen Stellen an... ;))

Werner Hintze
--
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen08.01.05 18:22 Uhr
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Leider scheint der Film in den Kinos in Deutschland nur eine kurze
Nischen-Existenz gehabt zu haben, er lief ja nur in sehr wenigen Kinos
überhaupt. Das ist insofern schade, als das Bergsteigen dem "normalen
Publikum" damit weiterhin nur aus Vertical Nonsense oder Krakauer etc.
bekannt ist.
Ich fand, dass der Film dem Buch außerordentlich nahe gekommen ist.
Einzig die entstellten Gesichter am Ende hätte man maskenbildnerisch
etwas dezenter machen können.
Das Buch war natürlich zuerst da, und vielleicht hat man sich beim Lesen
Dinge auch anders vorgestellt, als sie nun mit dem Bildmaterial
dargestellt wurden. Es hat sich aber absolut gelohnt, dass ich deswegen
ins Kino gegangen bin (was ich nicht öfter als so alle 5 Jahre tue;-)

Ich habe übrigens die DVD im neuen Weltbild-Katalog für 14.99 gesehen.

Schönen Gruss
Hartmut

Werner Hintze schrieb:
> Ich habe kürzlich eher zufällig diesen Film gesehen und war ziemlich
> positiv überrascht. Natürlich kommt er an das Buch nicht heran
> (welchem Film gelingt das schon?), aber er kommt ihm erstaunlich nahe,
> fand ich.
>
> Ich nehme an, der Film wurde hier schon seinerzeit diskutiert, als er
> in den deutschen Kinos war. Dann müssen wir das nicht aufwärmen. Aber
> falls nicht, würde mich interessieren, was es für Meinungen dazu gibt.
> (Zum Film, nicht zur Frage, ob man ein Seil durchschneiden darf oder
> nicht. Die soll meiner Ansicht nach entscheiden, wer in einer solchen
> Sitiation war.)
>
> Ich gestehe, dass ich einen der üblichen modernen Bergfilme erwartet
> habe: Durchtrainierte, schauspielerisch unterdurchschnittliche begabte
> Bergsteiger in coolen Markenklamotten beim Erklettern eher dürftiger
> Hügelchen, das ganze untermalt mit entweder schwulstiger oder
> wummerder Musik usf. Ich hätte, ehrlich gesagt, nicht geglaubt, dass
> ds noch anders geht, aber der Film hat mich eines besseren belehrt
> (wie mir ja auch das Buch gezeigt hat, dass verlogen-sentimentaler
> Trivialjournalismus a la Kracauer keineswegs das Höchste ist, was man
> heute in der Bergliteratur noch erwarten kann.)
>
> Wobei die schauspielerische Leistung der beiden Bergsteiger natürlich
> auch eher nicht der Rede wert war, aber darauf kam es ja auch nur an
> wenigen Stellen an... ;))
>
>
> Werner Hintze
 
 
 
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen08.01.05 19:21 Uhr
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On Sat, 08 Jan 2005 18:22:07 +0100 Hartmut Bielefeldt wrote:

>Leider scheint der Film in den Kinos in Deutschland nur eine kurze
>Nischen-Existenz gehabt zu haben, er lief ja nur in sehr wenigen Kinos
>überhaupt.

Was mich nicht weiter wundert. Für einen Riesenerfolg ist er zu
unspektakulär und verlangt dem Zuschauer zu viel ab...

>Ich fand, dass der Film dem Buch außerordentlich nahe gekommen ist.
>Einzig die entstellten Gesichter am Ende hätte man maskenbildnerisch
>etwas dezenter machen können.

Das habe ich ähnlich empfunden. Aber da hat man wohl keine Wahl. Wenn
man überhaupt einen Film daraus machen will, kommt man am Ende dahin,
und dann ist es eben auf jeden Fall nur Maskenbildnerei und mehr oder
weniger - in diesem Falle eher weniger - talentierte Schauspielerei,
was in einem Film, der eine autentische Geschichte erzählt,
zwangsläufig sonderbar wirken muss. Allerdings fand ich, es hielt sich
in Grenzen und war noch auszuhalten.

>Das Buch war natürlich zuerst da, und vielleicht hat man sich beim Lesen
>Dinge auch anders vorgestellt, als sie nun mit dem Bildmaterial
>dargestellt wurden.

Mir kam es an einigen Stellen so vor, als hätte ich das im Buch anders
gelesen. Allerdings müsste ich das erst noch einmal prüfen. Aber das
ist auch nicht so wichtig. Klar ist, dass die authentische Erzählung
nicht mit den zwangsläufig unauthentischen Bildern mithalten kann.
Aber das ist - wie gesagt - kein Einwand, denn das kann bei einer
Verfilmung nicht anders sein. Immerhin war der Entschluss, keinen
Spielfilm daraus zu machen doch sehr lobenswert und letztlich mutig
(vor längerer Zeit kursierte ja mal das Gerücht, Tom Cruise solle die
Hauptrolle spielen, da sind wir ja noch mal davon gekommen... Und die
Schauspielerei dieses Bergesteigers war wenigstens sympathisch
unvollkommen, bei dem Star wäre nur die Eitelkeit aber kein Gran mehr
schauspielerisches Vermögen hinzugekommen...)

Beste Grüße

Werner Hintze
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen08.01.05 19:24 Uhr
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On Sat, 08 Jan 2005 19:21:59 +0100 Werner Hintze wrote:

>Klar ist, dass die authentische Erzählung
>nicht mit den zwangsläufig unauthentischen Bildern mithalten kann.

Quark! Andersrum:

Die authentische Erzählung ist den zwangsläufig nichtauthentischen
Bildern auf jeden Fall überlegen.

Das kommt davon, wenn man drei Gedanken auf einmal ausdrücken will...

;)

Werner Hintze
--
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen13.01.05 20:01 Uhr
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"Werner Hintze" <usenetmail@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
news:fd00u0d85egde9t6564vstcb4mh51thokm@4ax.com...
>würde mich interessieren, was es für Meinungen dazu gibt.
> (Zum Film, nicht zur Frage, ob man ein Seil durchschneiden darf oder
> nicht. Die soll meiner Ansicht nach entscheiden, wer in einer solchen
> Sitiation war.)

Ich fand die halbdokumentarische Art (Spielszenen abwechselnd zu Interviews
der beteiligten Personen) sehr gelungen, auch dass nichts aufgebauscht wurde
eher mit typisch britischem Understatement und Humor herungergespielt. Das
Geschilderte war ja schon dramatisch genug. Wenn man wie ich das Buch
dreimal gelesen hat, ist es natürlich mit dem Spannungsbogen nicht mehr so
weit her...

Ich muss aber gestehen, dass ich von den Landschaftsaufnahmen enttäuscht
war. Immerhin hat man ja vieles an den Originalschauplätzen gedreht. Ich war
selber schon auf Trekking in der Cordillera Huayhuash. Ich hätte deshalb
gleißenden Riffelfirn vor tiefblauem Himmel erwartet, mindestens am Beginn.
Die Berg- und Flugaufnahmen fand ich aber rettungslos überbelichtet,
ausgefressen und ohne jede Brillianz. Da ich mir bei den Filmemachern kaum
völliges technisches Versagen vorstellen kann, muss es wohl Absicht sein.
Aber warum? Geworben wurde für den Film auch mit dem Versprechen von tollen
Landschaftsaufnahmen. In dieser Beziehung war ich enttäuscht. Sähen meine
Dias so aus, hätte ich sie weggeworfen...

Mathias

 
 
 
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen14.01.05 00:14 Uhr
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On Thu, 13 Jan 2005 20:01:11 +0100 Mathias Zehring wrote:

>Ich muss aber gestehen, dass ich von den Landschaftsaufnahmen enttäuscht
>war.

Das ging mir ähnlich. Ich fand sie nichr nur überbelichtet sondern vor
allem ziemlich rar... ;) Neben gleißendem Rioffelfirn vor blauem
Himmel gibt es in der Cordillera Huayhuash ja noch einiges mehr zu
filmen, was sich lohnen würde. Und sei es nur die Gegend um diesen
wirklich herrlichen See, an dem das Basislager lag. Ich habe
allerdings das Gefühl (man möge mich korrigieren, wenn ich irre), dass
das weder Zufall noch Absicht war. Wenn ich die Sache richtig
verstanden habe, interessieren sich Bergsteiger, die solche Sachen
unternehmen, wenig bis gar nicht für die Landschaften, in denen sie
sich aufhalten.

Charakteristische Erlebnisse: Ein intalienischer Bergsteiger in
unserem Hotel in Skardu, der eine Woche lang nichts anderes tat, als
MTV ansehen, und als wir ihm anboten, uns auf einer kleinen Tour in
der Umgebung der Stadt zu begleiten, die zu landschaftlich
außerordentlich schönen Gegenden führt, erklärte, er sei nicht da, um
Landschaften zu bewundern. Oder zwei ehemalige Bergetsiger, die wir
bei einer Tous am Barpu-Gletscher trafen, die uns erklärten, sie
machten diese Tour, weil sie auch mal Landschaften genießen wollten,
wozu bei einer Expedition keine Gelegenheit sei.

Insofern war ich vom Anteil der Landschaftsaufnahmen sogar überrascht
und von der Lieblosigkeit, mit der sie gemacht waren, nicht weiter
enttäuscht...

Werner Hintze
--
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Touching the void

Bergsteiger beim Bergsteigen14.01.05 22:26 Uhr
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leider ist der film in A auch nur an ganz wenigen orten kurze zeit
gelaufen und da meist auch nur bei bergfilmfestivalen :-(
habe ihn - gott sei dank - in Salzburg gesehen

meines erachtens einer der besten filme, die ich je gesehen habe!
absolut empfehlenswert
das buch war schon toll, aber der film ist gleichrangig!

schaut ihn an, wenn ihr gelegenheit dazu habt

daxy
 
 
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