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|  | Auf diese Nachricht antworten!  | Nein, nein, nicht was ihr denkt, sondern nur ein erzählungswürdiger (hoffentlich =96 aber nachdem ich selbst gerne die Berichte anderer lese will ich nun auch mal was beisteuern) Erfahrungsbericht meinerseits:
Gestern, 24.08.08, ging endlich ein alter Traum in Erfüllung =96 die Besteigung der Kaltwasserkarspitze, der Königin des Karwendels. Das Wetter hat perfekt gepasst, wir waren zu zweit unterwegs, genau richtig für diese Aktion.
Mit dem Radl sind wir von Scharnitz zur Kastenalm, Räder im Wald versteckt, noch Kaffee und Frühstückskuchen an der Alm (um halbzehn, wäre nicht wirklich notwendig gewesen ;-) und dann frisch gestärkt los Richtung Moserkar bzw. Moserkarbach. Nach ein wenig Höhengewinn dann die bewusste (aber folgenschwere, siehe Titel) Entscheidung den linken Abzweig (schön mit kleinem Steinmandl markiert) zum grossem Heissenkopf durch die Latschen liegen zu lassen. Also weiter hinter, immer Richtung Rauhkarl, erst links des Moserkarbachs, dann rechts davon, durch dichte Latschen, dann wieder auf erstaunlich deutlichem Pfad, unglaublich schön und absolut verlassen. In einem Linksbogen nähert man sich wieder dem Felsmassiv der Sägezähne zur Linken, um dann wieder rechts haltend zum wirklichen Ende des erkennbaren Pfades zu gelangen. Spätestens hier dachten wir zum ersten mal zweifelnd darüber nach, ob man die Kaltwasserkarspitze denn wirklich auf diesem Wege, quasi von hinten her, ersteigen kann. Zweifel hin oder her, die Lanschaft dort hinten in diesem verlassenen und einsamen Winkel des Karwendels (wir haben den ganzen Tag keinen anderen getroffen, nur zwei weitere Personen oben am Grat gesehen) war faszinierend genug um einfach mal weglos weiter zu steigen. Nach einer steileren Stufe waren wir dann mitten im Rauhkarl, links von uns erhob sich majestetisch die "Arroganz in Bergform" (das hab ich mal aufgeschnappt, sehr treffend wie ich finde, glaube es stammt von Harald Breitkreutz). Optimistisch gestimmt vom Blick in die AV-Karte, dort ist eine deutliche Einschartung im Gratverlauf zu erkennen, sind wir weiter links hinter, über anstrengende und immer steiler werdende Geröllfelder, um endlich erkennen zu können ob wir in der dort von uns vermuteten Rinne irgendwie zum Grat aufsteigen können. Als wir dann wirklich auf steilen, plattigen mit viel Geröll übersähten Felsen standen und in unsere Rinne blickten war klar: das ist einen Versuch wert! Ich stieg die ersten Meter in die Rinne ein, eigentlich nicht so wild, würde mal sagen alles im Zweier-Bereich mit zwei, drei Dreier-Stellen, aber doch anstrengend weil wirklich alles mit Schutt berieselt war und man jeden Tritt und Griff akriebisch prüfen bzw. "reinigen" musste. Aber es ging dann doch erstaunlich gut, keine unüberwindbaren Hindernisse, nur stetes Aufpassen dass einem nicht der Griff oder Tritt wegbröselt. Nach einer Weile waren wir ziemlich sicher dass wir es bis nach oben schaffen würden. Und so war es dann auch. Äusserst erleichtert kamen wir auf dem Grat an, genau vor der Schlüsselstelle des klassischen Anstiegs. Diese war dann auch kein Problem mehr und kurz darauf standen wir auf dem Gipfel der Kaltwasserkarspitze =96 traumhaft.
Kurz noch zum Abstieg: auf keinen Fall wollten wir dieselbe Route wieder runter steigen, hatten wir auch nicht vor (davor wäre auch dringend abzuraten), sondern über das östlich Birkkar hinab zum bezeichneten Weg welcher vom Schlauchkarsattel herunter kommt. Vom Gipfel weg steigt man nicht direkt nach westen ab (theoretisch möglich, gestern aber unmöglich wegen, achtung, Schnee (!)), sondern orientiert sich am Gratverlauf zurück bis zur ersten Scharte, von dort steigt man dann westlich, immer wieder durch Steinmandl markiert, nie wirklich schwierig hinab zum Hochjöchl und drüber ins östliche Birkkar.
Also, die Königin von hinten zu besteigen war zwar in dieser Ausführung nicht unbedingt geplant, aber auf jeden Fall eine spitzenmässige Bergtour. Etwas anspruchsvoll, auch psychisch, sehr einsam und faszinierend. Für jemanden der sich auch ohne markierten Pfad wohlfühlt, gerne mal neue (anstrengende) "Wege" beschreitet und auch vor ein paar Kletterstellen nicht zurückschreckt ist diese Variante durchaus empfehlenswert (Von Scharnitz mit Rad insgesammt ca. 11 Stunden, knapp 2000 hm).
Kennt vielleicht noch jemand diese Variante? Ich hoffe einige interessiert dieser etwas länger geratene Bericht, viele Grüsse, Bergheil, Filip
| | | | Zurück zur Übersicht |  | Die Königin von hinten bestiegen | | Bergsteiger beim Bergsteigen | 26.08.08 15:51 Uhr |
|  | Auf diese Nachricht antworten!  | Servus Filip, besten Dank für Deinen Bericht, den ich gut nachvollziehen kann. Im Herbst 2005 vom Kl. Ahornboden über Sauisköpfl und westl. Moserkarscharte in das Rauhkarl, dann Qerung desselben nach dem alten Karwendelmotto "zwei Schritt vor und einen zurück" und über die gut gestufte Rinne auf den S-Grat, Abstieg wie Aufstieg. Insgesamt Einsamkeit pur, karwendeltypische Anforderung an sicheres und schnelles Gehen im I- und II- Gelände. Selbst meinen damals 20-jährigen Sohn haben Landschaft und Einsamkeit sehr beeindruckt. Gruß Jost
"Filip Brocke" <mountaincrest@gmail.com> schrieb im Newsbeitrag news:20814a59-3703-49dc-94da-f51b2b083626@e53g2000hsa.googlegroups.com... Nein, nein, nicht was ihr denkt, sondern nur ein erzählungswürdiger (hoffentlich – aber nachdem ich selbst gerne die Berichte anderer lese will ich nun auch mal was beisteuern) Erfahrungsbericht meinerseits:
Gestern, 24.08.08, ging endlich ein alter Traum in Erfüllung – die Besteigung der Kaltwasserkarspitze, der Königin des Karwendels. Das Wetter hat perfekt gepasst, wir waren zu zweit unterwegs, genau richtig für diese Aktion.
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